Geschichte eines Codejunkies

Damien Katz erzählt in seinem Blog die Geschichte, wie er, der bisher immer nur technisch wenig anspruchsvollen Programmcode für Benutzeroberflächen in Lotus Notes (einem Groupware-Programm) geschrieben hatte, auf einmal die komplette zugrundeliegende Programmiersprache neu implementieren soll. Das ist in etwa so, wie wenn ein HTML-Schreiber auf einmal einen komplett neuen Webbrowser bauen soll.

Entgegen der Erwartungen der älteren, erfahreneren Kollegen schafft er es tatsächlich, und was mir besonders an seinem Posting gefallen hat, ist die Stelle, wo er nach monatelanger Grundlagenarbeit am Fundament seines Programmmoduls endlich damit beginnen kann, die einzelnen darauf aufbauenden Befehle zu implementieren:

It took me six months from starting coding to getting the engine to this point, to getting it to 8,000 lines of code that just had minimal functionality, the job wasn’t even close to being complete. I had to rewrite the over 200 remaining @functions and operators before I could check the new engine into the daily build. I remember I had a big paper list of @Functions I worked from, and as I rewrote each one to work with the new engine I crossed it off my list. This part went so fast I barely remember anything from this two month period. I woke and coded and coded all day everyday. It was like I was on autopilot, my brain felt like a machine. Each @function I completed was like a hit of a drug and I was a junkie looking for the next fix. It’s all a blur now, the code all runs together in my memory. It took me just over two months to complete, but when it was done I had written over 15,000 more lines of code.

Ich kann ansatzweise nachvollziehen, wie es dem Mann gegangen sein mag, und eine kleine Dosis dieser Droge haben wohl die meisten Computernutzer auch schon mal zu schmecken bekommen. Nach längerer Arbeit an einem technischen Problem stellt sich bei mir manchmal das Gefühl ein, es mit einem Computerspiel zu tun zu haben: Es gibt ein mehr oder weniger klar definiertes Ziel, es gibt einige bekannte und einige neu zu entdeckende Lösungswege und Werkzeuge zur Erreichung desselben und natürlich immer wieder kleine und große Teilprobleme. Diese Teilprobleme zu überwinden, löst diesen Belohnungsschub im Gehirn aus und eine Kette von Überwindungen herausfordernder, aber nicht überfordernder Probleme löst dieses Flow-Gefühl aus, welches die gute Seite an der Arbeit mit Computern bildet bzw. allgemein an der Arbeit mit komplexen, interaktiven Systemen.

Dezember 5, 2007. Arbeitstechniken, Nördig, Social Software, Spiel, Technologie, Teh Kool. Hinterlasse einen Kommentar.

Referrer-Spam?

Seit einigen Wochen kommen laut WordPress-Statistik bis zu zwei Dutzend Besucherinnen am Tag über den Suchbegriff „Wrong Turn“ (bzw. „wrong turn“ und noch einige andere Schreibweisen) auf dieses Blog. Das Problem ist nur: Bis zu diesem Posting kamen diese Worte in meinem Blog gar nicht vor, wie Google bestätigt.

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September 13, 2007. Internet, Medien, Popkultur, Social Software, Technologie, web2.0. 1 Kommentar.

Reputation in der Wikipedia

Eine Arbeitsgruppe an der University of Santa Cruz hat einen Algorithmus zur Berechnung der Vertrauenswürdigkeit von Wiki-Autoren entwickelt. Ausgewertet wird dabei die Information, wie lange die Änderungen eines bestimmten Autors bestehen bleiben. Je länger eine Information sich auf der Seite hält, desto größer ist ihr Wert und desto vertrauenswürdiger ist derdie Autorin. Das Verfahren bezeichnen sie als „content-driven reputation“.

Es gibt auch eine Demo, bei der die Reputationsinformation von einigen hundert Wiki-Seiten farbkodiert dargestellt werden – je vertrauenswürdiger der Autor ist, desto heller ist der Hintergrund der Textpassage. Interessante Idee.

September 4, 2007. Internet, Nützlich, Social Software, Technologie, web2.0, Wikipedia. 2 Kommentare.

Cutting out the Middleman

„Cutting out the middleman“ ist eine griffige englische Redewendung, mit der sich der Nutzwert vieler Webanwendungen beschreiben lässt: Dank iTunes-Store und MySpace Music verlieren die Musiklabels an Bedeutung, seine Bücher bestellt man direkt ab Lager und Reisen bucht man direkt im Internet.

Jetzt bekommen nach der selben Logik möglicherweise auch die Banken Konkurrenz, zumindest im Bereich Privatkundenkredit. Mit Smava hat jetzt die erste Person-To-Person-Lending-Anwendung in Deutschland den Dienst aufgenommen, worauf ich schon warte, seitdem ich das erste Mal von Smavas US-Vorbild Prosper.com gehört habe.

Das Prinzip ist einfach: Wer Geld braucht, stellt eine Beschreibung seinesihres Vorhabens bzw. seinerihrer geplanten Anschaffung online und die Plattform holt eine Schufa-Auskunft über die potentielle Schuldnerin ein. Dann können Anlegerinnen entscheiden, bei welchem Kreditvorhaben sie ihr Geld einsetzen wollen. Die Bank fällt weg, im Idealfall folgen daraus also auch günstigere Zinssätze, außerdem kann man als Anlegerin selber entscheiden, welche Vorhaben man durch einen Kredit fördern will.

Kiva.org vermittelt nach dem selben Prinzip Mikrokredite in Entwicklungsländer.

August 28, 2007. Nützlich, Social Software, Teh Kool, Zwischenmenschliches. Hinterlasse einen Kommentar.

Six degrees of separation

Bekannt aus Film und Fernsehen ist ja das „Jeder kennt jeden über sechs Ecken“-Mem, das auf ein Experiment von Stanley Milgram zurückgeht.

Six degrees of Wikipedia ermittelt genauso den Weg von einem Wikipedia-Artikel zum nächsten. Zum Beispiel von Angela Merkel zu Blowjob.

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Juli 30, 2007. Internet, Obskuro, Social Software, Spiel, Wikipedia, Zwischenmenschliches. Hinterlasse einen Kommentar.

Mah buckit!!!!11!!

Ja, ja, ja, ich weiß: Lolcats sind schon längst ein old meme und dieses hier ist besonders alt, aber…

Mah buckit!!!111!!!

Die (/eine) ganze Geschichte gibt’s hier. Überhaupt ist das faszinierende an den lolcats und anderen Internet-Memen die Geschwindigkeit, mit der Topoi (der Eimer) von anderen Produzenten aufgenommen und variiert werden, auch und insbesondere dann, wenn das Ganze intertextuell geschieht. So kommt zum Beispiel die Struktur „I’m in ur Ort Verbing ur Substantiv“ (Beispiel 1, 2, 3) der Folklore zufolge ursprünglich aus dem Echtzeit-Strategiespiel Starcraft.

Juli 25, 2007. Internet, Low-brow, Popkultur, Social Software. Hinterlasse einen Kommentar.

35 Perspektiven auf Social Networking

Marlene Charlotte Larson zählt in einem Artikel für das Social Computing Magazine 35 Perspektiven auf das Thema Social Networking auf, die sie in sechs Kategorien aufteilt:

  • Research perspectives
  • User perspectives
  • Professional or learning perspectives
  • Adult or parents perspectives
  • Moral panic or news media perspectives
  • Marketing perspectives

Das halte ich für eine zumindest in erster Näherung brauchbare Einteilung.

Juli 7, 2007. Internet, Social Software. 2 Kommentare.

Selbstdarstellungsmanagement im Social Web

Ein kurzer Gedanke: Immer mehr Menschen haben mehrere Accounts bei Sites mit Socializingfeatures wie Xing, MySpace, StudiVZ, Flickr usw. Sie haben folglich also mehrere Selbstdarstellungen zu managen.

Ich halte es für sinnvoll, zwischen privaten, teilprivaten und öffentlichen Selbstdarstellungen zu unterscheiden:
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Juli 3, 2007. Social Software, web2.0. 2 Kommentare.

Wie muss sich gute Software anfühlen?

Einige Gedanken dazu, wie gute Software sich anfühlen muss; Womöglich hat ein an der taktilen Wahrnehmung orientiertes Modell für Softwarequalität einen gewissen Nutzen.

Also: Software muss angenehm und geschmeidig sein wie ein Handschmeichler, dabei aber auch sanft formbar sein wie eine Struktur aus flauschig umwickelten Draht. Durch den Widerstand des Materials muss sie demder Benutzerin unaufdringlich ihre Einschränkungen bzw. Affordances bekannt machen. Derdie Benutzerin sollte durch den Widerstand der Bedienelemente merken, wie folgenschwer eine Änderung ist. Sicher sind auch Teile der Software ablösbar und können ein Gewicht haben und andere Texturen und sich wieder zusammenstecken lassen.

Dass Software dem digitalen Prinzip folgt – eine Eingabe ist entweder richtig oder falsch in Bezug auf das angestrebte Ergebnis – muss vor demder Benutzerin verborgen werden; Ersie ist eine analoge Welt gewohnt, in der Ursache und Wirkung weicher (kontinuierlich) in Beziehung zueinander stehen.

Die Frage, die bei diesen Überlegungen im Hintergrund steht ist: Wie kann man Software so gestalten, dass sie ein „natürlicherer“ Gegenstand wird? Im Bereich des Visuellen war der Desktop so ein natürlicher Gegenstand: Dokumente werden mimetisch abgebildet, d.h. eine .doc-Datei, die im Vorgängerparadigma (der Kommandozeile) rein textlich beschrieben wurde, ist jetzt ein kleines Blatt mit geknickter Ecke.

Lässt sich vielleicht das Netzwerkzeitalter eher in taktilen Kategorien beschreiben (oder gar in olfaktorischen), in Gegensatz zum eher visuellen Desktop-Zeitalter? Und welcher Sinn – oder allgemeiner: welcher Vorgang in der natürlichen Wahrnehmung – passt am besten zu Social Software-Applikationen?

Juni 6, 2007. Internet, Social Software. Hinterlasse einen Kommentar.

Weblogs als Wunderkammer

„A Web log really, then, is a Wunderkammer. That is to say, the genealogy of Web logs points not to the world of letters but to the early history of museums — to the „cabinet of wonders,“ or Wunderkammer, that marked the scientific landscape of Renaissance modernity: a random collection of strange, compelling objects, typically compiled and owned by a learned, well-off gentleman.“ Portrait of the Blogger as a Young Man via Kottke.

Mai 20, 2007. Internet, Social Software, web2.0. Hinterlasse einen Kommentar.

Sightseeing im Second Life

Die Wundertüte von Website Something Awful (Tagline: „The Internet makes you stupid“) zeigt eine Bildergeschichte aus Second Life, in der einige Seiten dieser Community gezeigt werden, die wahrscheinlich den vielen Millionen Leuten verborgen geblieben sind, die so wie ich nur kurz reingeschaut haben und dann nie wiedergekommen sind.

Übrigens: Es gibt in Second Life mehr Deutsche als US-Amerikaner, außerdem haben sich insgesamt im März 2007 bei 6 Millionen Accounts nur 1,3 Millionen Benutzer mindestens einmal eingeloggt. Erstaunlich ist hier nicht nur, wie groß der Hype um Second Life noch vor drei Monaten war, sondern auch wie schnell jetzt der Kater kommt. (via The Inquirer)

Mai 5, 2007. Internet, Social Software. Hinterlasse einen Kommentar.

Digg für Web 2.0-Anwendungen

Listio ist ein gemeinschaftlich erstelltes Verzeichnis für Web 2.0-Anwendungen nach dem Digg-Prinzip: Jeder kann einen Link vorschlagen und jeder eingeloggter Benutzerin kann den Link dann mit einer Ja- oder einer Nein-Stimme bewerten – so kommt dann eine Rangliste zustande. Momentan fehlt noch ein wenig der Content, aber da die Idee ebenso naheliegend wie nützlich ist, dürfte sich das bald ändern.

Noch nützlicher wäre ein solches Verzeichnis, wenn die einzelnen Einträge nicht nur mit Tags ausgezeichnet wären, sondern mit semantischen Auszeichnungen, also mit strukturierten Metadaten. Dann würden Anfragen möglich wie „Zeige mir alle englisch- und deutschsprachigen Social-Networking-Seiten, die älter als ein Jahr sind und mehr als 100.000 Mitglieder haben“. Das wäre dann, wenn man das Semantic Web denn als Web 3.0 bezeichnen will (von Sinn und Unsinn dieser Versionsnummern einmal abgesehen), so etwas wie Web 2.5, also eine Verknüpfung von Web 2.0-Diensten mit den Abfragemöglichkeiten des Semantic Web.

P.S. Schon länger gibt es ja Go2Web20.net, ein deutlicher umfangreicher ausgestattetes Web 2.0-Verzeichnis.

April 26, 2007. Internet, Nützlich, semantic+web, Social Software, web2.0. Hinterlasse einen Kommentar.

Aktuelle Wikipedia

Dieser Clip dokumentiert im Zeitraffer wie in den ersten zwölf Stunden nach dem Massaker der Wikipedia-Artikel zu den Virginia Tech Shootings entsteht. Mittlerweile hat der Artikel einen Umfang von mehr als einem dutzend Bildschirmseiten und ist durch nicht weniger als 136 Fussnoten fundiert. (via Digg Video)

April 21, 2007. Aus Übersee, Internet, Social Software, Video, web2.0, Wikipedia. 3 Kommentare.

Open Mike

Teufelsgeiger Alex DePue punktet bei einer Open Mike-Night in San Francisco mit Owner of a lonely heart von Yes und Smooth Criminal von Michael Jackson. Vielleicht ist „Open Mike“ auch eine ganz gute Metapher für den Selbstdarstellungsaspekt von Social Software?

[via Digg Videos]

März 29, 2007. Aus Übersee, Popkultur, Social Software, Uncategorized, Video. 2 Kommentare.

Charakteristika sozialer Software

Wie lassen sich flickr, blogs, del.icio.us, MySpace, Digg beschreiben, kategorisieren, theoretisieren? Zu dieser Frage werde ich in loser Folge bloggen.

Ein erster Gedanke: Insofern es bei „Web 2.0“ um die Teilhabe an einem Gespräch geht, gibt es eine Dimension in der Beschreibung der Angebote, die auf die den investierten Aufwand und damit das Ausmaß der Schaffung von „User Created Content“ ausgerichtet ist.

In dieser Dimension wären oben genannte von wenig nach viel:

Link diggen bei digg.com -> Link bookmarken bei del.ico.us -> Kommentar auf einer MySpace-Seite hinterlassen -> Kommentar auf einem Blog hinterlassen -> Foto bei Flickr hochladen -> eigene MySpace-Seite einrichten und pflegen / eigenes Blog einrichten und pflegen.

Das lässt sich gewissermaßen auch als Maß an Teilhabe am social web betrachten.

März 28, 2007. Internet, Social Software, web2.0. 1 Kommentar.

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