Dokumentation über das „Amen Break“

Dieses achtzehnminütige Video erzählt die Geschichte eines der meistgesampelten Drumloops der Musikgeschichte, dem Break aus dem Stück Amen My Brother von einer Funk-Band namens The Winstons. Auf diesem sechs Sekunden lange Musikfragment (und einer kleinen Handvoll anderer, z.B. dem Funky Dummer-Loop) basieren ein großer Teil aller Hip Hop-, Jungle- und Drum’n’Bass-Tunes.

Was ist daran interessant? Erstens ist die Geschichte des Amen Breaks sehr lehrreich in Bezug auf die Praxis des Remixes und des Samplings: Eine obskure B-Seite kann weltweite Verbreitung erlangen, wenn sie in die richtigen Kanäle eingespeist wird. Zweitens lassen sich an den reichhaltigen Beispielen in dem Film Fragen nach Sinn und Unsinn des Urheberrechts aufwerfen. Weder der Drummer, der dieses Break eingespielt hat, noch der Rechteinhaber, haben je Geld gesehen. Ist das gerechtfertigt? Auf der anderen Seite können ja aus der illegalen, aber eben unbeschränkten Nutzung von Musikfragmenten ganz neue Formen entstehen. Zuletzt ist auch die Form dieses Videos originell: Man sieht die meiste Zeit nur einen Plattenspieler, auf dem eine Dubplate des Erzählertextes läuft.

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März 1, 2007. Popkultur, Video.

2 Kommentare

  1. europol neuroton replied:

    Durch die Gande der späten Geburt habe ich in meiner Sampling-Sammlung nur noch die Zero-G-Variante gekriegt. Aber die ist auch ein bisschen EQed.
    Kurze Samplings sind nur ein Grenzfall der restlichen Situation. Wer Copyrights in Frage stellt, stellt Eigentum in Frage. Die Frage ob man auf die Baupläne eines Mittelklassewagens legitimer Ansprüche hat, als auf die eines Liedes oder Computerprogramms ist überflüssig. Wer Eigentumsrechte in Frage stellt, stellt den Kapitalismus in Frage. Und natürlich müssen Rechte auch zum Einhalten verpflichten. Somit gibt es entweder eine Welt in der Menschen keine Rechte an ihren geistigen Hervorbringungen haben (mein Votum) oder eben den status quo mit den Verwertungsfirmen.
    Popkultur ist im Endeffekt doch Kunst. Und die Künstler glauben an ihre besondere Individualität, die ihre Kunst hervorbringt. Sie sehen typischerweise gerade nicht, dass sie Mustervariationen und imperfekte Klonierungen der Vergangenheit sind. AMEN.

  2. meganils replied:

    Das sehe ich anders. Zwischen „eine[r] Welt in der Menschen keine Rechte an ihren geistigen Hervorbringungen haben (mein Votum) oder eben de[m] status quo mit den Verwertungsfirmen“ gibt es nämlich eine ganze Menge Zwischenformen, z.B. Künstler, die ihre Werke oder ihre Fähigkeiten selbst vermarkten und so ihren Lebensunterhalt sichern. Künstler zu haben, die von ihrer Kunst leben können, ohne von einzelnen Mäzenen oder dem Staat abhängig zu sein, halte ich für erstrebenswert.

    In einem anderen Punkt würde ich allerdings zustimmen, nämlich da, wo Du feststellst, dass (vor allem) populare und populäre Musik sehr vom Umgang mit vorhandenem Material lebt und da ist es wiederum erstrebenswert, möglichst große Freiheit zu ermöglichen (anders als es heute der Fall ist; es gibt Anekdoten / Urban Legends, nach denen GEMA-Bescheide an Wandervereine ergingen, die auf dem Grillplatz geschütztes Liedgut gesungen haben).

    Beides zusammenfassend wäre nach meinem Dafürhalten jene Welt die beste, in der Musiker von ihrer Arbeit leben können ohne ihre Schöpfungen in einen Käfig zu sperren zu müssen, zu dem sie den Zugang verwalten.

    Meine Position ist also: Urheberrechte mit sehr großzügigen Fair Use-Bestimmungen verbunden mit strengem Vorgehen vor allem gegen die gewerbliche Herstellung von Raubkopien und Schaffung von Marktbedingungen, unter denen Musiker von anderen Einkommensquellen als dem CD-Verkauf leben können, beispielsweise von Konzerten, Merchandise oder anderen, noch zu erfindenden Produkten und Dienstleistungen.

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